In der Morgendämmerung schließen wir erste Bekanntschaft mit den Rumänen und ihrem Land. Nette Menschen, die sich freuen, mal wieder ihre Deutsch- und Englischkenntnisse in-the-mix einzusetzen. So gegen acht (Rumänien ist 'ne Stunde vor) kommen wir in Simeria an. Auf dem Bahnhof trifft mich schließlich der Kulturschock. Man erlebt nicht oft, dass wilde Hunde überall herumrennen, sich Menschen an öffentlichen Wasserstellen waschen und zähneputzen, der Ticketverkäufer einen total ignoriert, weil man nicht rumänisch spricht, man keine Ahnung hat, was an den Tafeln steht, von denen man annimmt, dass sie Abfahrts- und Ankunftszeiten von Zügen zeigen, nicht weiß, welcher Bahnsteig welcher ist oder man von alten Mütterchen mit Schürzen, wie ich sie von meiner Ur-Oma kenne angeschaut wird, als wäre man gerade aus dem nichts aufgetaucht. Möglicherweise liegt es auch an der strapaziösen Fahrt und meiner Übernächtigung, dass ich mich fühle, als hätte ich die Sache mit der Wiedervereinigung nur geträumt. Der Anblick des Bahnhofs in seiner rustikalen Schönheit trägt nicht unerheblich dazu bei. Ein Gang ins Örtchen lockert mich etwas auf, aber das Gefühl, dass die Zeit stehengeblieben ist bleibt. Ich denke, ich sollte so schnell wie möglich den Kontakt zu den Menschen hier suchen. Ich überlege, was ich jetzt am besten mal gebrauchen könnte, das ich dann widerrum einen Einheimischen fragen kann. Mir fällt spontan nur Geld ein; wir haben noch keine ausländische Währung getauscht. Ich schlendere die Straße entlang, wo langsam die Geschäfte öffnen. Eine Bäckerei scheint mir ideal mit ihrer jungen Verkäuferin. Sie versteht ein bisschen englisch, nur das sprechen scheint nicht zu klappen. Dafür das Zeigen. Wir haben beide unseren Spaß beim Fingerverbiegen. Nach ihrer Beschreibung finde ich eine Bank mit Bankomat. Nicht das Richtige für uns, haben wir doch extra genug Bargeld zum Tauschen mitgenommen. Die Bank ist noch geschlossen. Erschrocken frage ich mich, wie spät es ist und trete zügig den Weg zurück zum Bahnhof an. Ich überlege, was ich wohl mache, wenn unser Anschlußzug bereits abgefahren ist. Sind die Jungs mitgefahren? Haben sie meinen Rucksack mitgenommen? Dann haben sie bestimmt irgendwo eine Nachricht hinterlassen. Wahrscheinlich sind sie aber noch da und stinksauer, dass sie wegen mir die Fahrkarte wegschmeißen können und etlich später in Sibiu ankommen. Naja, die Fahrkarten wären das geringste Problem. Ich erspähe die Bahnhofsuhr und sehe, dass es halb neun ist. Unser Anschlusszug geht um neun. Schwein gehabt. Was, wenn die Uhr falsch oder gar nicht geht? Ich stehe kurz davor, mir eine zu scheuern.
Weiter gehts um 9 Uhr nach Sibiu, unser vorerstes Ziel. Hier zeugt nicht mehr viel von Sozialismus und Rückständigkeit - nicht umsonst ist Sibiu die europäische Kulturhauptstadt 2007, was einem auch von jedem, der es einem verständlich machen kann erklärt wird. Techno, Riesenleinwände, Franchise und Mafia-Abzocke gehören natürlich dazu. Wir nutzen den Tag, um unsere Vorräte für die bevorstehende Tour aufzustocken, die Zug-Verbindung zum Bergtor klarzumachen, uns das Städtchen a la Tourimanier anzuschauen und nochmal richtig fett zu essen.