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30. Juli - ein Segel wäre jetzt nicht schlecht

Bild von smoe

Als wir unsere Habseligkeiten zusammenpacken, merken wir schon: irgendwas ist heute anders, als gestern. Möglicherweise die kleine Brise, die uns angenehm um die Haut bläst und die Sonne nicht ganz so drückend erscheinen lässt. Wir freuen uns, dass wir schön zeitig fertig sind und es heute so richtig Gebirge wird. 9 Uhr gehen wir los. Ein Anstieg von über 600 Höhenmeter erwartet uns und das Ende der Baumgrenze sehen wir jetzt schon. Nach einer Stunde erreichen wir einen kleinen Rastplatz, wo uns einheimische Beerensammler ein paar Beeren anbieten. Lecker! und die wachsen hier oben? Wir sehen uns etwas genauer um, wobei wir darauf achten müssen, nicht von dem stetisch und sehr stark blasenden Wind umgehauen zu werden.Hoffentlich bläst der irgendwann auch mal von hinten. Weiter gehts. Die Baumgrenze ist schon lange hinter uns, aber der Felsen scheint nach oben nicht aufzuhören. Irgendwann verlieren wir den Weg - wenn da überhaupt einer war - und wir müssen uns grob an einem sich in weiter Ferne abzeichnenden Mast orientieren, der hoffentlich eine Wegmarkierung darstellt. Das unwegsame Gelände und der stetig blasende Wind beginnen uns mürbe zu klopfen. Wenn ich schon einige Anstrengung aufbringen muß, um bei dem Weg, dem Wind und dem Gewicht auf dem Rücken das Gleichgewicht zu halten, wie geht es dann Dennis, der mittlerweile bestimmt schon 10mal hingefallen ist?! Keine rosigen Aussichten. Ca. 12:30 Uhr erreichen wir den Mast, der tatsächlich eine Wegmarkierung darstellt. Hier treffen wir die zwei Tschechen wieder, die noch friedlich geschlafen haben, als wir heute morgen aufgebrochen sind. Ich frage mich, ob sie uns für verantwortungslos halten weil wir Dennis diese Tour zumuten. Das Panorama lenkt ab und entschädigt für die bisherigen Strapazen. Eine Wahnsinnsaussicht, die kein Fotoapparat der Welt einfangen kann. Da hilft nur selber sehen. Gegen 13 Uhr gehts weiter, und der Wind scheint zuzunehmen. Wenigstens ist der Weg einfacher und die Fallhöhe kleiner. Weite Täler, eingerahmt von Bergkämmen, Größendimensionen, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe und dieser stetig blasende Wind. Ich beginne auszuprobieren, wie ich meinen Rucksack in den Wind halten muss, damit der Wind nicht allzu sehr daran zerrt, vielleicht sogar ein bisschen schiebt. Gegen 15:15 Uhr haben wir den See Avrig erreicht, unser Ziel für diesen Tag. Wurde auch Zeit. Dennis ist mit den Nerven am Ende. Der Wind hat ihm doch mehr zugesetzt, als wir erwartet haben. Doch halt. wir befinden uns noch ca. 300 Meter über dem See. Also heißt es erstmal: absteigen. Los Dennis, du schaffst das! Sebb läuft voraus, bringt sein Gepäck zu den Tschechen, die ihr Zelt schon lange aufgebaut haben, und kommt zurück, um Dennis den Rucksack abzunehmen. Diese Prozedur machen wir heute zum dritten Mal. Mittlerweile geht mir auch Dennis' "Ich kann nicht mehr - Ich kann nicht mehr" auf den Nerv. Ich hab keine Lösung. Eine Stunde später sind wir unten. Wir bauen unsere Zelte auf. Der nicht nachlassende Wind macht mir Sorgen. Mein Zelt scheint für diese Gefilde nicht geeignet zu sein. Der Wind drückt ständig die Streben ein. Ich freu mich schon auf die Nacht. Langsam verabschiedet sich die Sonne hinter den Bergen. Wir nutzen die letzten Sonnenstrahlen, um uns nochmal in den See zu werfen. Jeder ist drin und freut sich über das schrumpfend kühle Wasser. Sebb schwimmt sogar ein Stück. Ich schneide mir lieber den Fuß auf. Es dauert nicht lange, nachdem die Sonne weg ist, da hüllt sich der Berg in Nebel. Ein paar 10 Meter über uns liegt eine weiße Decke, die vermutlich unangenehme Feuchte mitsich bringt. Tatsache! nach ein paar Minuten senkt sich die Wolkendecke ab und wir sind mitten drin. Wir sehen im Umkreis von drei Metern keinen Stein und der Weg vom Zelt zum 10 Meter entfernten See und zurück wird ohne Kompass sehr anstrengend. Doch unsere Laune ist ungetrübt. Wir haben fürstlich gekocht und gegessen, sind pappesatt und ein Tee macht auch schon wieder die Runde. Micha, Dennis und Sebb gehen noch ein bisschen auf Wolke sieben spazieren, während ich mich ins Zelt lege und erleichtert, darüber, dass es jetzt schonmal nicht mehr wegfliegen kann, einschlafe.

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