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29. Juli - Sind wir endlich da?

Bild von smoe

Wir schaffen es bis 10 Uhr alles wieder zusammengepackt zu haben. Schönes Wetter, keine Bärenüberfälle in der Nacht, der sicherheitshalber weiter entfernt versteckte Proviant ist auch noch da. Unsere Schmerzen vom Vortag sind überraschenderweise weg, eine Feststellung, die wir alle gern machen. Nur der eine Liter Wasser, der noch vom Vortag übrig geblieben ist macht uns etwas Sorge. Doch weit kann es nicht mehr sein.
Nach einer halben Stunde Wandern überholen uns zwei Einheimische, die ein Pferd dabei haben. Ich überlege, ob hier irgendwo sowas wie Dscherpa ihre Dienste anbieten und einem das Gepäck schonmal vor tragen. Ich komme zu dem Schluß, dass es wohl eher noch eine Marktlücke ist.
Die Qualität des Anstieges hat sich nicht wirklich verbessert. Gut, dass wir gewartet haben. So langsam beschleicht mich das Gefühl, Dennis mit unserem Vorhaben zu überfordern. Aber vielleicht muss man sich erst dran gewöhnen, und der eine braucht dazu wahrscheinlich länger als der andere.
Wir sind eine Stunde unterwegs und finden eine Bergquelle. Klar, das Wasser tröpfelt langsam, aber stetig. Nach ca. einer dreiviertel Stunde haben wir sämtliche Wasser-Vorräte aufgefüllt und Bekanntschaft mit zwei Rumänen aus Bukarest gemacht. Die Beiden haben das selbe Vorhaben wie wir, eine Kammwanderung auf dem Fagaras-Gebirge. Ihre Etappenziele sind die vielen Bergseen, und in sieben Tagen wollen sie in Brasov sein, was auch unser Ziel ist.
Nach zwei Stunden erreichen wir unser Vortagsziel, eine ausgebrannte Hütte und ein Müllplatz. Wir beschließen, dass es zu spät ist, um noch weiter zu gehen. Das nächste Ziel ist der See Avrig auf ca 2000m Höhe, eigentlich nicht viel höher, aber dennoch weit. Schnell manifestiert sich die Idee, was richtiges zu kochen, in den Wald zu kacken, kleine Verbesserungs-/Ausbesserungsarbeiten an der Ausrüstung durchzuführen und zu chillen.
Uns wird klar, dass wir die Rumänen, welche die Strecke, die wir seit gestern 13 Uhr, seit heute früh 6 Uhr zurückgelegt haben, nie wieder sehen werden. Noch schnell die Email-Adressen ausgetauscht und viel Glück gewünscht.
Wir machen den Müllplatz zu einem Zeltplatz mit Müllecke, bauen unser Lager auf, sammeln Holz und beobachten vorbeiziehende Wanderer, Bergsteiger und einheimische Beerensammler.
Wir schärfen unsere Messer, nähen den Saum unserer Hosen zusammen und scheissen in den Wald.
Im Laufe des Tages gesellen sich noch mehr Bergfreunde zu uns und entschließen sich, hier zu übernachten. Zwei Tchechen, die schon durch Tatra, Riesengebirge und Sibirien gewandert sind, schlagen ihr Lager neben unserem auf und am Lagerfeuer erzählen wir uns Geschichten. Bergsteiger haben immer mindestens ein Gesprächsthema. Ein schöner Tag.

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