Unser Zug geht erst um 12 Uhr; um 5 Uhr wollte keiner aufstehen. Wir packen unsere Sachen und machen uns noch einen Kaffee im Hostel. Dann laufen wir in Richtung Bahnhof in der Hoffnung unser Frühstück bald in den Händen zu halten. Am Vortag haben wir die Franchise-Kette Fornetti kennengelernt, die unter anderem kleine Backwaren-Häppchen verkaufen - leckere Blätterteigteilchen, gefüllt mit Schokolade, Apfel-Zimt, Käse und was weiß ich. Ich frage mich, was es kostet so einen Franchise-Laden zu betreiben. Ankommen würde das Zeug in Deutschland auf jedenfall, auch ohne Süchtigmacher. Um ca 13 Uhr kommen wir in Racoviƫa an. Und da ist sie wieder: die Idylle und Romantik der alten Zeit, der Einfachheit, mit der hier das Leben tickt. Kein Verkehr, keine Ampeln, keine Wegweiser... weshalb wir dann auch in der größten Mittagshitze nach Sebeş Sus mit Umweg zwei Stunden brauchen. Doch der Anblick der Berge lässt keine schlechte Laune aufkommen. So nah waren wir noch nie, und wir kommen immer näher. In Sebeş Sus - noch kleiner als Racoviƫa - suchen wir uns ersteinmal ein schattiges Plätzchen und überlegen, wo wir unsere Wasserreserven, die durch den zweistündigen Marsch drastig dezimiert wurden auffüllen könnten. Da fällt uns ein heftig winkender und gestikulierender Eingeborener auf, der uns wohl mitteilen will, dass wir mit ihm kommen sollen. Unsereins doch etwas skeptisch solcher Gutmütigkeit gegenüber, geht erst einmal ohne sämtliches Habe vor, um zu erkunden, was am Ende dabei herauskommt. Heraus kommt, dass der Mann auf dem Bauernhof seines Bruders und deren Frau wohnt und uns durch dessen Brunnen zu neuen Wasserr verhelfen kann. So holen wir alle Gefäße, die für das Speichern von Wasser vorgesehen sind und füllen fleißig auf, während wir uns mit dem hilfsbereiten Ansässigen zu verständigen versuchen. Das ist nicht so einfach, wenn die einzige Möglichkeit sich zu verständigen die Hände sind, diese jedoch mit dem Auffüllen von Wasser beschäftigt sind. Glücklicherweise kam da noch ein junges Mädchen der Familie daher, welche wohl in der Schule englisch lernt. Sie kann uns dann doch einiges erzählen, wie z.B. dass es in Rumänien keinen Tabak zum selberdrehen gibt und das es schon lange nicht mehr geregnet hat. Wir bleiben noch auf einen warmen Maiskolben mit Salz und geben zu verstehen, dass wir die Gastfreundschaft nicht länger strapazieren wollen. Immerhin ist es schon 16 Uhr und wir wollen doch noch zur ersten Etappe auf 1400m Höhe: der abgebrannten Refugio Suru. Und da gehen die Strapazen erst richtig los. Es gibt zwei Wege zu der Hütte: den vergleichsweise einfachen Schotterweg in der Sonne und den laut Karte "gradualy increasing" (Natürlich finden wir diese unbedeutende Bemerkung erst später, als wir längst oben sind auf der Rückseite der Karte) Waldweg im Schatten. Wir entscheiden uns nach hochwissenschaftlicher Wahrscheinlichkeitsrechnung für Schatten und werden gut bedient. Wir bekommen ein Anstieg, der es in sich hat. Man glaubt nicht, dass es im Wald so steil nach oben gehen kann. Wenigstens werden wir dann und wann mit bombastischen Aussichten und Waldbeeren belohnt. Als wir ca. 21 Uhr mit unserer Kraft am Ende sind, immer noch nicht die Baumgrenze überwunden haben, eine Ende nicht in Sicht ist und sich die Wasserreserven dramatisch dem Ende zuneigen beschließen wir im Wald zu übernachten. Wir errichten unser Lager mitten auf dem Weg, machen ein Feuer, essen und trinken den Schmerz weg. Bei Sebb haben sich schon mehrerererere Blasen am Fuß eingefunden, Mit trockenem Mund und gemischten Gefühlen gehen wir in die Zelte und beten für eine Quelle, möglichst bald.